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Wie ein Sprachaufenthalt zum Erfolg führte

Linda* wurde kürzlich 37 und es gab viele Gründe, ausgiebig zu feiern. Sie ist glücklich verheiratet, geniesst ihr Leben in vollen Zügen und ist beruflich erfolgreich. Vor rund 20 Jahren sah es noch nicht so aus, als würde sie an diesen Punkt gelangen. Im Interview erzählt uns Linda, wieso.

Linda, du hattest eine schwierige Zeit, als die Lehrstellensuche begann. Was war passiert?
Das ist so, ich hatte mit persönlichen Problemen zu kämpfen. Meine Mutter ist an Krebs gestorben, als ich 12 Jahre alt war. Ich konnte mit dieser Situation nicht umgehen und flüchtete mich in Zustände, in denen ich es besser aushalten konnte – Kiffen und Trinken waren an der Tagesordnung. 

Unser herzliches Beileid – wie hast du nebenbei die Schule gemeistert?
Nicht sonderlich gut. Mein Konsum hatte Auswirkungen auf meine schulischen Leistungen. Zudem war meine Motivation sehr tief. 

Mit meinem schlechten Zeugnis war es sozusagen unmöglich, eine Lehrstelle zu finden.

Wie und wann hat sich die Situation verbessert?
Zuerst einmal gar nicht. Mit meinen damaligen Kollegen und Kolleginnen war dieser Lebensstil normal und damit war es enorm schwierig, aus diesem Sumpf heraus zu kommen. Mein Vater war ausserdem mit der Situation überfordert. Zum Glück hatte ich einen tollen Klassenlehrer, der meinen Vater bei der Lösungsfindung unterstützt hat.  

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Wie genau das?
Er schlug meinem Vater vor, mich für ein Jahr in einen Sprachaufenthalt in die Westschweiz zu schicken. Dies hat er dann auch gemacht, obwohl ich mich stark dagegen gesträubt hatte. Ich wollte nicht weg von meinen Freunden, irgendwo hin, wo ich niemanden kannte und die Sprache nicht konnte!

Das klingt schwierig.
War es auch. Aber mit der Zeit ging es immer besser – ich musste ja einfach Französisch sprechen und mich dort zurecht finden. Im Nachhinein habe ich eingesehen, dass mir der Tapetenwechsel sehr gut getan hat. Für das folgende Jahr fand ich eine Lehrstelle in einer KMU – damals war das noch die «Bürolehre». 

Heute bist du im Kader einer internationalen Bank*. Wie hast du dich nach oben gearbeitet?
Ich konnte und wollte die Disziplin aufbringen, in mich zu investieren. In der Zwischenzeit habe ich die BMS und den Bachelor in Betriebsökonomie gemacht und mich beruflich stetig weiterentwickelt. Seit vier Jahren bin ich in einer Führungsposition, was mir sehr gut gefällt.
 

* Vollständige Namen der Redaktion bekannt. Aus Datenschutz- und Vertraulichkeitsgründen werden die Namen und der Firmenname nicht bekannt gegeben und Stockbilder eingesetzt.

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